Wer die Kette wechselt, muss die Ritzel mit dazu auswechseln. So habe ich das gelernt. Und so hatte das damals auch meine Fahrradwerkstatt bei meinem Lieblingsrad gemacht. Uff — das war ein teures Vergnügen. Fast 150,- EUR für neue Kette, neue Ritzel, neue Kurbeln und neue Pedale. (Und dabei war ich mit Kurbeln und Pedalen eigentlich sehr zufrieden gewesen.) Und wie geschmiert lief es am Ende trotzdem nicht. Die neue Schaltung hakelte und musste mehrfach nachreguliert werden, die Übersetzung war anders und die neuen Pedale fand ich viel zu stachelig.

Seit einer Weile repariere ich Fahrräder grundsätzlich selber und gehe schonender mit den Ressourcen um. Denn nicht in jedem Fall müssen mit der Kette auch gleich die Ritzel gewechselt werden!

Wenn die Ritzel noch nicht stark abgefahren sind, reicht es oft, nur die Kette zu wechseln. Gerade habe ich den Versuch gemacht mit zwei Rädern mit Kettenschaltung, ein 24-er Kinderrad und ein 26-er Mountainbike. Sie fuhren sich beide nicht mehr sehr gut, die Schaltung hakelte und beim Treten knackte es. Klar, beide Ketten waren verschlissen. Doch würde es reichen, nur die Kette zu tauschen? Genau das habe ich probiert: Beide Schrottketten habe ich gegen neue Hyperglide-Ketten getauscht. Und siehe da: Beide Fahrräder fahren auf einmal wieder wunderbar. Die Schaltung schaltet präzise, das Knacken ist weg und ich habe das Gefühl, dass die Kraft direkt auf die Räder übertragen wird!

Ich bin begeistert!

Auch das gefürchtete Abspringen der Kette ist mir bei meinen ausführlichen Probefahrten nicht passiert. (Man sagt ja so: Wenn die Ritzel nicht getauscht werden, passt die neue Kette nicht mehr auf die abgefahrenen Ritzel und rutscht ab.)

Fazit: Wenn die Kette abgefahren ist, muss man nicht in jedem Fall gleich die Ritzel tauschen. Das spart Geld und Ressourcen.

 

 

10 Kommentare zu „Kettenschaltung: Kette wechseln genügt!“

  • Da hat sich die Werkstatt aber gesundgestoßen. Ich würde da nicht mehr hingehen.
    Ketten längen sich mit der Zeit und erst wenn eine gewisse Grenze überschritten ist, werden die Ritzel in Mitleidenschaft gezogen. Die werden dann durch die überlängte Kette so spezifisch abgenutzt, dass eine neue Kette nicht mehr vernünftig greift unf ggf. drüberrutscht.
    Für die Beurteilung gibt es Kettenverschleißlehren.
    Kurbeln und Pedale zu wechseln ist völliger Blödsinn. Bis die Kettenblätter abgenutzt sind braucht es etliche Ketten und größtenteils sind die Zahnkränze einzeln austauschbar. Pedale kann man einfach abschrauben und wieder anschrauben.

    Typisches Beispiel von arglistiger Täuschung.

  • CJB says:

    Wieso bei abgenutzten Zahnrädern nicht gleich ein neues Fahrrad (ver-) kaufen?

  • andimtb says:

    Jedes mal Ritzel wechseln wenn die Kette durch ist ist ja wirklich nicht nötig. Mein Freund der bei meinem Rad die Wartung macht, hat mir auch eine Kettenlehre von Rohloff gegeben um die Kette rechtzeitig zu wechseln. Wenn die Kette wirklich mal zu lange drauf war, testen wir trotzdem ne neue aus, rutscht sie bei der ersten Fahrt gleich durch, kommt sie wieder runter und die alte wieder drauf. Und dann wird gefahren bis auch die Ritzel fertig sind.
    Gruß andi

  • Chriscovery says:

    Oha, das ist wirklich heftig und hat mit professioneller Arbeit nichts zu tun. Die Pedale sind da noch das Tüpfelchen auf dem i.

    Jeder halbwegs erfahrene Fahrradmechaniker erkennt – teilweise mit Hilfsmitteln, ob die Ritzel eingelaufen sind und getauscht werden müssen. Ein Gesetzmäßigkeit ala Muss gibt es da nicht. Das ist Geldschneiderei und gut das Du es nun selbst machst.

    Viele Grüsse

    Danny

  • Florian Peter says:

    Danke, dieser Eintrag hat mir wirklich sehr geholfen.

    MfG Florian Peter

  • Das freut mich. Und ich habe inzwischen sehr oft bei Freunden die Kette gewechselt — auch Ketten, die schon Jahre auf dem Buckel hatten — und es gab hinterher nie Probleme. Es gab höchstens begeisterte Rückmeldungen. Die Ritzel sind also scheinbar nicht das große Problem.

    Mit dem Wissen von heute hätte ich mir damals viel Geld sparen können. Eine Hyperglide-Kette kostet ja nicht einmal einen Zehner!

    Die berühmte Kettenlehre von Rohloff nutze ich übrigens auch, schon um meinen Freunden zu demonstrieren, wie weit ihre Kette schon abgefahren ist. (Und die Ketten von meinen Freunden sind oft WEIT abgefahren.) 🙂

  • Florian Peter says:

    Aber eigentlich wusste ich den ganzen Scheiss schon.

  • […] « Kettenschaltung: Kette wechseln genügt! […]

  • Rainer says:

    Ein ganz ähnliches Vorgehen kennt man ja auch von einigen Autowerkstätten, ohne dass ich jetzt eine ganze Branche kritisieren möchte. Aber schwarze Schafe gibt es mit Sicherheit auch unter den Fahrradwerkstätten und diese nutzen eine Reparatur bestimmt nicht selten als Anlass dafür, Ersatzteile am Fahrrad zu verbauen, die vielleicht (noch)gar nicht nötig gewesen sind. 150 Euro sind jedenfalls eine Menge dafür, dass unter Umständen schon eine neue Kette gereicht hätte.

  • fritz says:

    Hallo Leute,
    wenn Ihr viel fahrt kauft euch eine Verschleiß-Lehre. Bei mir läuft eine gute Kette ca. 3500 km bis zur Alu-Verschleißgrenze.
    Die alten Ketten, also ca. vier 10-fach Ketten im Jahr verbaue ich an die Räder meiner Kinder, die mit einfachen Stahlritzeln und Kettenblättern fahren. Das funktioniert wunderbar, denn die Ketten laufen auch auf achtfach-Kränzen problemlos, ausserdem sind sie auch noch rostfrei und sehen besser aus als Billigketten, die im übrigen bei mir auch nur maximal 2500km halten.

Kommentieren

Mai 2014
M D M D F S S
« Aug   Aug »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  
Kategorien