Endlich mal etwas Zeit zum Basteln. Ich überhole gerade unser viel benutztes 24er Kinderrad von Noxon. Meine Tochter nutzt es täglich, in den letzten 3 Jahren ist sie ca. 3.000 km gefahren. Anlass ist ein platter Reifen im Hinterrad. Da es schon der dritte „Platte“ ist, habe ich beschlossen, das Rad einer Generalüberholung zu unterziehen. Bei großen Fahrzeugen sagt man auch „Hauptuntersuchung“ dazu.

  • Die Decken sind abgefahren. Ich erneuere beide Decken, auch die Schläuche und Felgenbänder mit Kevlar-verstärkter Qualitätsware von Michelin. Nie mehr einen Platten, nie mehr Ventilprobleme – hoffe ich zumindest.
  • Die Hinterradnabe (Spectro T3) hat Spiel. Ich lockere die Achse, fette die Kugeln neu ein, ziehe sie fest und kontere sie. Das Spiel ist weg.
  • Das Innenlager hat Spiel. Ich überhole das komplette Innenlager. Achse und Lagerschalen sind noch okay, ein Kugellagerring ist durchgerostet. Beide Kugelringe werden ersetzt! Wenn das Lager jetzt nur halb so lange hält wie das letzte von mir überholte Innenlager (bei einem Mountainbike, das war vor 20 Jahren!), bin ich schon zufrieden.
  • Der Lenker ist zu niedrig. Ich montiere eine neue Lenkerstütze.
  • Der Sattel ist zu niedrig. Eine neue Sattelstütze muss her – ein neuer Sattel auch gleich. Wittkop Medicus, mein Lieblingssattel. Mal sehen, wie er ihr gefällt.

Die Bremsen und Züge sind noch in Ordnung. Die Lichtanlage habe ich vor einer Weile schon geprüft. Bestens in Schuss, dank eines uralten, komplett aus Metall gefertigten FER-Dynamos aus DDR-Zeiten. Der hält wenigstens noch durch – im Gegensatz zu manchen Plastdingern von heute.

Auch die Kette wird lediglich gereinigt und neu gefettet. Hinterher ist das Rad fit für die nächsten 3 Jahre. Wenn meine Tocher noch ein weiteres Jahr damit fährt, haben wir den Fahrradneukauf noch etwas hinausgezögert. Und dann kann mein jüngster Sohn einsteigen.

Benötigtes Material:

  • Wasserpumpenzange
  • Kurbelabzieher
  • diverse Schraubenschlüssel
  • Schraubendreher
  • Kleinteile
  • neue Kugellager
  • Kugellagerfett, Öl und Talkum
  • neue Decken, Schläuche und Felgenbänder
  • Lenkerstütze
  • Sattelstütze
  • neuer Sattel

Kosten

Die reinen Materialkosten liegen bei ca. 75-80,- EUR ohne Arbeitsstunden. Das sind gut 2/3 der Anschaffungskosten.

Fazit: Fahrräder kann man auch selbst warten und reparieren. Und bisher war ich mit meiner Arbeit eigentlich immer recht zufrieden. Es ist alles nur eine Frage der Zeit. Und es kostet natürlich eine Kleinigkeit – vor allem wenn man hochwertige Komponenten verwendet.

4 Kommentare zu „Hauptuntersuchung für ein Kinderrad“

  • Johann says:

    Inzwischen – im Dezember 2013 – habe ich auch die Kette erneuert, die sprang nun doch einmal zu oft ab. Ein paar Wochen später musste ich sie noch einmal nachspannen, jetzt läuft alles wieder.

  • Hallo Johann,
    also ich muss sagen, 75 – 85 EUR für die Reparatur sind ziemlich happig. Zu diesem Preis hat man doch schon eine anständige Anzahlung für ein neues Kinderfahrrad, welches vielleicht kein Markenfahrrad ist, aber doch wahrscheinlich seinen Zweck erfüllt. Man sieht ja an dem Puky Skyride, dass auch bei einem so genannten Markenfahrrad, die Haltbarkeit beschränkt ist. Wenn ich noch mal frühere Zeiten Revue passieren lasse, dann fällt mir auf, dass die Fahrräder früher irgendwie länger gehalten haben. Ein Rahmenbruch war da die absolute Ausnahme, mir ist sogar kein einziger bekannt. Gut, das ist jetzt schon 30 Jahr her:-), aber damals wurde wohl mehr Wert auf langlebige Qualität gelegt.
    Wir testen auf unserem Portal Kinderrad-Test.de übrigens auch Kinderfahrräder und werden den Bruch beim Puky mit einfließen lassen. Derzeit sind wir allerdings noch mit den Laufrädern beschäftigt, welche auch eine spannende Geschichte sind. Es macht einfach Spaß, den Kleinen beim Ausprobieren zuzuschauen und zu sehen, wie sie Fortschritte in der Balance machen und sich dem „Fahrradfahren“ langsam nähern.

    Viele Grüße!
    Jochen

  • Hallo Jochen,

    hast schon recht, allein die Materialkosten sind nicht ganz billig, zumal das ganze Rad ja nicht mehr als das doppelte gekostet hatte (gebraucht). Mir gefällt es aber, wenn alte Fahrräder wieder aufgemöbelt und so vor dem Schrott gerettet werden. Meine Tochter ist hoch zufrieden mit ihrem Rad, will gar kein neues und ich freue mich, wenn meine Reparaturen erfolgreich waren.

  • Kinderfahrrad Test says:

    Hallo Johann,

    „Recycling“ im Sinne von dauerhafter Verwendung und Aufarbeitung in Zeiten einer „Wegwerf-Gesellschaft“ ist natürlich vorzuziehen. Es muss ja nicht immer alles neu gekauft werden. Wenn man etwas handwerkliches Geschick hat, lohnt sich die Aufbereitung eines Kinderfahrrads ja, zumindest ökologisch. Viele Grüße, Jochen

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