Steigen Sie um auf Bus oder Bahn … legen Sie dann die restliche Strecke mit dem Kobold zurück« Ja – genau so wollte ich verfahren. Fernreisen mit der Bahn – vom Bahnhof zum Dorf dann mit dem Klapp-Pedelec. Pfiffiges kleines elektrisches Ding, so schien es mir vor einem Jahr, als ich das Sachs Kobold erhielt. Bequem, flink, rasant zusammenlegbar. Diese Euphorie ist längst verflogen. Ernüchterung macht sich breit. 1 Jahr und 750 Kilometer später sage ich: »Montagsprodukt, vermaledeites!« Oder ist dieses Produkt generell noch unausgereift?

Motor defekt

Nein, ich will nicht mehr darüber schreiben, dass schon nach wenigen Wochen Benutzung der Motor vom Sachs Kobold kaputtging. Und es 6,5 Wochen gedauert hat, bis ein Austauschmotor da war. Pech. Geschenkt. Dafür fuhr das Ding nachher umso besser. (Zumindest für kurze Zeit.)

Merkwürdige Kurzanleitung in »Chinglish«

Ich spiele auch nicht darauf an, dass ich den Sachs Kobold ohne ordentliche Gebrauchsanweisung, sondern nur mit einem Chinglish-Wisch (Mischung aus Englisch und Chinesisch) erhalten habe.

Operating Manual

Scan der "Bedienungsanleitung" des Sachs Kobold - ein 16-seitiges Blättchen in "Chinglish". Von Sachs Kobold war in dem Zettelchen keine Rede.

Man kann sich heutzutage ja alles aus dem Internet herunterladen. Also habe ich mir als mündiger Verbraucher die Gebrauchsanweisung selber besorgt – als PDF-Download.

Offenbar wurde mein Produkt direkt aus China vom Originalhersteller geliefert und der Markengeber hatte es nicht einmal geschafft, die eigene Anleitung beizulegen.

Schrauben locker

Es ist auch nicht so schlimm, dass nach einer Weile eine von ehemals vier Schrauben der Akkuhalterung fehlte. Ich hatte alle Schrauben davor stets regelmäßig festgezogen (zwingend erforderlich!) und dabei bemerkt, dass eine immer durchdrehte und nie richtig fest war. Jetzt war klar: Es fehlte die Kontermutter (an die man aber nicht so einfach rankam.)

Kein Problem. Dann ersetzt man einfach die Schrauben durch eigene und die Muttern durch selbstsichernde Muttern. Soviel Zeit muss sein. Seitdem ist das Problem gelöst – die Schrauben halten. Hätten die Macher auch selber drauf kommen können!

Kette locker

Und dass die Kette nach 350 Kilometern immer wieder abfiel und sich auch nicht weiter spannen ließ? Auch nicht ganz so dramatisch. Dazu gibt es ja die örtliche Moped- und Fahrradwerkstatt. Die hat geholfen und ein Glied herausgenommen. Dafür fahre ich nicht extra die 120 Kilometer nach Berlin zu meinem Händler, sondern zahle lieber ein paar Euro selbst.

Knackendes Tretlager und Ritzel

Dass das Tretlager immer mal knackte – übrigens von Anfang an? Störte! Dagegen halfen a.) regelmäßige Schmierstoffgaben, zumindest zeitweise und b.) weniger treten. (Was bei elektrischer Unterstützung ja auch klappte. Solange diese funktionierte.)

Ein gutes Zeichen war das nicht und mein Verkäufer und ich wollten das im Auge behalten. Genau wie das Ritzel, welches Kette 1 mit Kette 2 verbindet.

Dynamo defekt

Und dass der Dynamo bei Kilometer 450 seinen Geist aufgab, obwohl ich ihn höchstens 10 Kilometer genutzt hatte? Schon ein Indiz für die recht geringe Qualität vieler verbauter Teile. Deshalb die 120 Kilometer zur Werkstatt und zurück? Und wieder ewig warten? Nicht nötig – selbst ist der Mann.

Mit einem hochwertigen Leichtlaufdynamo, zudem noch besser befestigt, leuchtete das Licht danach heller als zuvor. Der neue Dynamo ist immer noch fit. Das Licht funktioniert. Das Rad inzwischen leider nicht mehr.

Controller defekt

Ab Kilometer 700 ging das Theater los: Nein, nicht das Knacken im Tretlager/Ritzel, daran hatte ich mich fast schon gewöhnt. Der Sachs Kobold fing an, beim Anfahren an zu stottern, zu beschleunigen, zu bremsen, zu beschleunigen, zu bremsen. Alle paar Sekunden. Egal, ob der Akku voll war oder halb geladen.

An gleichmäßiges Fahren war gar nicht mehr zu denken.

Meine Vermutung: Der Controller spielt mir einen Streich. Schon die kleinste Belastung sorgte dafür, dass die Unterstützung zusammenbrach. Gegenwind? Leichte Steigung? Hier war keine Hilfe vom Elektromotor mehr zu erwarten.

Also doch wieder den langen Weg zur Werkstatt. Mit der Bahn. Mit gemischten Gefühlen, denn die Erinnerung an die Länge der vorherigen Reparatur war noch wach. Auf der mühevollen, da nur teilelektrischen Fahrt dorthin, ging zu allem Überfluss noch ein Klapp-Pedal kaputt. Der Klappmechanismus funktionierte nicht mehr. Na prima, kann ja gleich mitrepariert werden. Dachte ich mir.

Deja vu: 6 Wochen unrepariert und Ersatzteile defekt

So, nun steht das Ding seit dem 1. November in Berlin in der Werkstatt. Heute ist der 11. Dezember. Das Klapp-Pedal ist erstmal nicht lieferbar. Das knackende Tretlager hat mein Händer von Sachs erhalten – defekt. Es war nicht einstellbar und knackte ebenfalls. Das Ersatz-Ritzel war ebenfalls defekt – genau wie das alte – die Kugeln fielen schon heraus.

Man muss sich das mal vorstellen: Mein Händler erhält die Ersatzteile defekt vom Kundendienst. Das Qualitätsniveau bei diesem Fahrrad ist offenbar so niedrig, dass selbst die Ersatzteile schon von Anfang an kaputt sind!

Pingpong zwischen Kundendienst und Händler

Der Kundendienst von Sachs verweist auf den Händler, der Händler auf den (nicht lieferfähigen) Kundendienst. Der Kunde (ich) massiv verärgert. Dieses Fahrrad möchte ich nicht mehr!

Fazit

13 Monate Faltpedelec, davon mehr als 3 in Reparatur. Gerade mal 750 Kilometer gefahren. Schlampig verarbeitet, Qualität minderwertig, Service mangelhaft. Ersatzteile: sofort kaputt. Vertrauen? Null. Fahrrad: viel zu teuer! Nicht der Anschaffungspreis in Bezug auf die Qualität. Nein, vor allem das Lehrgeld ist einfach zu hoch! Schade um den Ärger und die vertane Zeit.

Das nächste Pedelec wird garantiert kein Sachs-Pedelec mehr!

Hätte ich diesen Beitrag über schlappe Akkus und anfällige Elektronik bei E-Bikes auf Spiegel Online mal eher gelesen! Dann hätte ich es mir mit dem Kauf eines Pedelecs sicher überlegt.

 

5 Kommentare zu „Pedelec Sachs Kobold nach einem Jahr: Bike kaputt, Service mangelhaft“

  • [...] in der Werkstatt mit diversen Zipperlein. Ersatzteile sind schon bei Anlieferung defekt. Mehr dazu hier. Mir reicht es jetzt einfach [...]

  • Hoert sich nach nem Fall fuer die Wandlung an? (sprich Knete zurueck…)
    Nach 3 Reparaturversuchen muss ein Haendler die in .de anbieten.

    Aber schade, prinzipiell sah das Teil ja Chic aus, und so lang es Funktioniert in Verbindung mit S-Bahn bestimmt billiger & Umweltschohnender als Autofahren…

    Und? naechstes mal nen Bromton? oder vielleicht doch ein elektrifiziertes Strida?

  • Kurz vor Ablauf des Ultimatums hat der Hersteller doch noch geliefert. Nun kann ich es mir nach 6 Wochen Reparatur wieder abholen. Ich werde weiter berichten.

  • Ich sag nichts. Jetzt hat das Rad zwar ein neues Tretlager, ist elektrisch aber genauso defekt wie vorher. Es fährt nicht bei hoher Luftfeuchtigkeit und niedrigen Temparaturen. Scheiß Teil!

    Zusätzlich hat mir mein Mechaniker das Kabel vom Tacho abgerissen und die Anschlüsse des Dynamos vertauscht. Was sind denn das für Mechaniker?

  • Hallo Johann,

    wir können die Probleme mit den letzten Sachs Produktreihen nur bestätigen. Leider hat die Qualität nach der Übernahme weiter gelitten und fiel Kosteneinsparungsplänen der neuen Holding zum Opfer. Von dem ehemals gut dastehenden Unternehmen Sachs ist leider nicht mehr so viel übrig wie sich manche Kunden wünschen.

    Zur Verteidigung muss ich allerdings anmerken das nicht alle Sachsprodukte derart anfällig sind, es gibt eine Reihe von Bikes bzw. Motorkrafträdern die immer noch sehr gut gefertigt und auch haltbar sind. Dies hängt meinen Informationen nach mit unterschiedlichen Produktionsstandorten zusammen.

    Ich wünsche dir viel Glück und Kraft beim Versuch ein letzlich Mängelfreies Exemplar zu erhalten.

    Über den von dir angesprochenen Mechaniker kann ich nur den Kopf schütteln aber da wären wir wieder beim Thema – Qualität wird heute scheinbar mit ae geschrieben!

    Gruß
    P. Zumbiegel

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