Gestern hatte ich in Kreuzberg zu tun (Nähe U-Bhf. Mehringdamm) und bin bei dieser Gelegenheit auch mit dem Fahrrad gefahren. Dabei wurde ich in mehrfacher Hinsicht überrascht.
Die erste Überraschung: Hier fahren ja so viele Rad! (Die Erklärung ist ganz einfach: Friedrichshain-Kreuzberg hat einen Radfahreranteil von 21%, das ist der höchste Wert für Berlin)
Die zweite Überraschung: An vielen Stellen lässt die Radverkehrsinfrastruktur noch sehr stark zu wünschen übrig. Trotz dieser hervorragenden Zahl.
Tempelhofer Damm und Mehringdamm
Beispiel Tempelhofer Damm. Der Radweg in Richtung Platz der Luftbrücke ist fast nicht zumutbar – der reinste Wurzelparcours. Trotzdem wird er fleißig benutzt, um der vielbefahrenen Straße auszuweichen.
Nicht viel besser sieht es auf dem Mehringdamm aus. Ein schmaler Streifen auf huckligen Betonformsteinen – so sehen Radwege von gestern aus.

Dieser Radweg ist zwar nicht benutzungspflichtig, wird aber trotzdem stark befahren. Die Alternative wäre der Stau auf der Straße. Welche Zumutung ist am größten?
Die gute Nachricht: Auf dem Tempelhofer Damm wird der Radweg derzeit gerade saniert – zumindest in der Gegenrichtung. Beim Mehringdamm hilft – fürchte ich – nur der komplette Umbau.
Bergmannstraße
Dichter Fahrradverkehr. Man arrangiert sich auf der Straße und alle kommen irgendwie voran. Hier haben die Fahrradfahrer längst die kritische Masse erreicht, um sich gegenüber dem Autoverkehr durchzusetzen.

Shop & Bike: Dieser Supermarkt bietet einen gut besuchten Fahrradparkplatz mit stabilen Abstellbügeln. Dafür wurde extra Raum auf der Straße abgetrennt.
In meinem Kiez (Köpenick) gehen die Uhren anders. Dort verfügt der gleiche Supermarkt über ein luxuriöses Parkhaus für das motorisierte Publikum. Für uns Fahrradfahrer hat es nur für einen mageren Alibi-Fahrradständer vor der Tür gereicht.
Gneisenaustraße
Der Radweg ist schön breit, aber nicht besonders eben. Wer ist auf die Idee gekommen, Radwege mit Betonformsteinen zu pflastern?
Gute Beispiele
Es gibt inzwischen aber auch immer mehr Radwege mit besserem Belag:
Was spricht gegen Beton? Eben mit geringem Rollwiderstand. Wurzelresistent. Ich fahre gern auf derartigen Wegen!

Richtig verarbeitet halten derartige Wege Jahrzehnte und trotzdem besser den Wurzeln! Schadhafte Stellen bessert man einfach aus.
Herrlich rollt es sich auf manchen Nebenstraßen.

Ruhige, bestens für Radfahrer geeignete Straßen an der Ostseite des ehemaligen Flughafengeländes von Tempelhof:
Fahrradläden, wohin das Auge blickt
Was mich reineweg umgehauen hat: Wie viele Fahrradläden es hier gibt – auf engstem Raum! Zwei schräg gegenüber in der Bergmannstraße, Räderwerk und Fahrradstation. Rad-Kreuz gerade mal 100 Meter entfernt in der Hagelberger Straße. Nochmal 100 Meter weiter: Fahrradladen Mehringhof.
Und ein paar Fahrradlängen weiter am Südstern folgt dann schon Little John Bikes. Wem das nicht reicht: In der Urbanstraße gibt es dann noch ein “Räderwerk”.
(Kreuzberger mögen mir verzeihen, wenn ich einen wichtigen Markt vergessen habe. Bis zur Radspannerei habe ich es nicht geschafft.)

Großer Markt - großes Angebot. Ich habe mir aus der ganzen Vielfalt eine Laufrolle für den Dynamo Axa HR Traction besorgt.
Fazit: Es hat mir gut in Kreuzberg gefallen! Es macht einfach Spaß, Teil der großen fahrradfahrenden Masse zu sein. Kreuzberg, ich komme wieder!




Ja in der Tat, in Kreuzberg gibt es mehr Fahrrad-Läden als Bäcker. Trotzdem hatte ich meist Probleme mein Rad zu reparieren. Zu viele Kunden. Ist also noch Raum für neue Läden da.