Dynamo Basil Nordlicht

Dynamo Basil Nordlicht

Klar, die wohl beste Lichtlösung heißt inzwischen: Nabendynamo. Daran besteht wohl kein Zweifel. Doch auch für ältere oder weniger hochwertig ausgestattete Räder gibt es preiswerte Nachrüst-Lösungen – Seitenläufer mit besonders hohem Wirkungsgrad.

Ich habe einen dieser Superdynamos getestet – den Dynamo Nordlicht von der holländischen Firma Basil. Nachtrag: Getestet habe ich das Modell mit Gummilaufrolle. Es gibt auch eine Ausführung mit Stahllaufrolle.


Dazu musste die Edel-Lichtmaschine an meinem Rad einen 9-monatigen Dauertest bestehen. Und zwar bei Wind und Wetter, Regen, Eis und Schnee. Soviel vorweg: Der Dynamo ist erstklassig! (Wenn man ihn richtig einstellt.) Aber er hat seinen Preis.

Der Einkauf

Gekauft habe ich den Dynamo bei Fahrrad-Richter. Dort gibt es ein Sonderangebot für Nordlicht-Dynamos mit Linksanbau. Hier bekomme ich das Maschinchen für EUR 12,95 statt für EUR 23,95. Ein Spitzen-Angebot, das meinen Wunsch nach einem Nabendynamo in weite Ferne rücken lässt. (Für EUR 23,95 hätte ich mir diesen Dynamo wahrscheinlich nicht zugelegt.)

Die Montage

Die Montage gestaltet sich nicht ganz so einfach. Eine einzige Schraube soll den Dynamo fixieren und dafür sorgen, dass er an der richtigen Stelle bleibt. Aber es gelingt mir doch – mit etwas Feingefühl und nach einiger Fummelei. Der Dynamo sitzt und läuft.

Achtung! Es besteht kein Anschluss an Masse!

Anschlüsse am Dynamo

Anschlüsse am Dynamo

Der erste Test fällt negativ aus. Die Lampen bleiben dunkel. Die Lösung ist ganz einfach: Der Dynamo bietet zwei Anschlüsse, gibt die Masse aber nicht an das Gehäuse weiter. Ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Dynamos, die ich kenne. Mein Fahrrad jedoch arbeitet noch mit einadriger Stromzuführung. Die Lösung: Man muss den Masseanschluss zum Rahmen per Kabelbrücke selbst herstellen. Oder man stellt seine Stromversorgung konsequent auf eine zweiadrige Zuleitung um. (Und genau das habe ich dann im Endeffekt auch gemacht. Denn es bietet weit mehr Sicherheit.)

Leise und kaum zu spüren!

Ich schiebe das Fahrrad und bin recht erstaunt, wie laut der Dynamo schnarrt. Aber das Licht brennt. Immerhin. Die Lautstärke ändert sich erst beim Losfahren. Der Dynamo ist auf einmal kaum noch zu hören und vor allem – kaum zu spüren! Er surrt ganz leise vor sich hin. Das Fahrgefühl ist, als ob gar kein Dynamo montiert wäre! Das ist unglaublich und ich bin begeistert. So macht das Radfahren mit Licht Spaß! Doch wie schlägt sich das Maschinchen bei Feuchtigkeit?

Der Dynamo rutscht durch

Bei den ersten Regentropfen tritt genau das ein, wovor viele in Foren und Rezensionen schon berichtet hatten – der Dynamo rutscht durch. Nicht fortlaufend, aber immer wieder. Man kann es richtig hören. Das enttäuscht. Allerdings lässt sich das Durchrutschen minimieren, wenn man die geriffelte Lauffläche des Mantels und Reibrad des Dynamos genau aufeinander abstimmt. Genau das tue ich – mit Erfolg. (Und das tut offenbar auch meine Werkstatt. Denn nach der Frühjahrsdurchsicht hört das Rutschen jäh auf. Der Dynamo wurde vom Mechaniker offenbar perfekt ausgerichtet.)

Und wie sieht es beim Einsatz im Schnee aus?

Wir hatten ja einen Traumwinter mit viel Schnee. Gute Gelegenheit, den Dynamo auch unter solchen Bedingungen zu testen. Ich fahre durch den tief verschneiten Wald. Der Dynamo versagt – rutscht völlig durch. Zur Ehrenrettung des Nordlicht-Dynamos: Auch fast alle anderen parallel getesteten Seitenläufer-Dynamos an unseren anderen Rädern versagen unter diesen extremen Bedingungen. Nur der sehr schwergängige Seitenläufer am Rand meiner Frau mit Plastereibrad schlägt sich halbwegs wacker. Er rutscht nicht fortlaufend durch, sondern produziert auch ab und an mal etwas Strom. Trotzdem – für den harten Wintereinsatz sind Seitenläuferdynamos kaum geeignet!

Wie lange hält die Rolle?

Keine Ahnung. Bei mir schon 9 Monate, allerdings fahre ich nur selten mit Licht. Immerhin zeigt der Gummi erste Versprödungserscheinungen. Aber kein Wunder, da das Rad bei Wind und Wetter draußen stehen muss. Ersatzrollen gibt es für wenig Geld im Handel. Sie lassen sich einfach aufschrauben. Und wer mit der Gummirolle nicht zufrieden ist, kann auch eine Stahlrolle erwerben.

Trotzt der Dynamo Wind und Wetter?

Offenbar ja. 9 Monate draußen – bei Regen und Frost. Und er läuft und läuft. Einzig und allein die Kontakte zum Kabel sollte man von Zeit zu Zeit mit einem Kontaktmittel behandeln. Zumindest bei mir stellte das einmal ein Problem dar. Abschleifen – Kontaktspray drauf – wieder anklemmen und fertig. Das Licht brannte wieder!

Integrierter Überspannungsschutz und Wirkungsgrad

Der Dynamo besitzt einen Überspannungsschutz. Er sorgt also dafür, dass beim Durchbrennen eines Birnchens das andere geschont wird. Er entfaltet seinen höchsten Wirkungsgrad schon bei niedrigen Geschwindigkeiten, ungefähr bei 10-12 km/h. Schnelleres Fahren bringt zumindest lichttechnisch keine Vorteile.

Fazit: Es handelt sich um einen hervorragenden, geräuscharmen Fahrraddynamo mit hohem Wirkungsrad. Das Fahren wird zum Vergnügen, da man fast keinen Widerstand mehr spürt. Wenn er richtig eingestellt und auf den Reifen angepasst wird, tritt das Problem des Durchrutschens kaum mehr auf. Der Reifen sollte dafür jedoch eine geriffelte Lauffläche für Seitenläufer besitzen. Nur bei extremem Schnee arbeitet der Dynamo nicht – zumindest nicht mit der Gummirolle. Ersatzrädchen gibt es preiswert im Fahrradhandel, auch in Stahlausführung. Mit diesem Dynamo kann man den Kauf eines Nabendynamos noch ein Weilchen hinausschieben!

Jofablog-Testurteil: sehr gut ausreichend
Preis-Leistungs-Urteil: gut ausreichend

Antwort auf die persönliche “Würde-ich-wieder-kaufen-Frage”: ja definitiv nicht mehr

Was ich interessant finde: Es gibt einen Seitenläufer von der Firma TUNG LIN, der von Vielen als Nachbau des Nordlicht-Seitenläufers betrachtet wird. Er sieht recht ähnlich aus und zumindest die Laufrollen sind identisch. Hat jemand mit dem „Chinesen“ schon Erfahrungen gesammelt?

Nachtrag vom 12. März 2010

Ich habe die Bewertung nachträglich drastisch korrigiert. Das alte Fazit lasse ich zwar stehen, kann es so aber inzwischen nicht mehr unterschreiben! Ich hatte den originalen Test im Sommer geschrieben. Danach kam der Herbst und Winter.

Zu oft hat mich der Dynamo dann doch bei Regenwetter im Stich gelassen. Grund: Durchrutschen! Kein Licht! Selbst eine neue Gummi-Laufrolle hat keine Veränderungen gebracht! Was nützt ein technisch hochgezüchteter, leichtlaufender Dynamo, der im Ernstfall (bei Regen und feuchtem Wetter) versagt? Bei solchem Wetter ist jeder Union-Billigdynamo mit Gummikappe zuverlässiger!

Ich war am Schluss so entnervt, dass ich meinem Rad einen Nabendynamo spendiert habe.

Hinweis: Es gibt diesen Dynamo auch mit Stahllaufrolle. Möglicherweise läuft der bei schlechtem Wetter zuverlässiger. Meinen dünnen Reifen wollte ich Stahl jedoch nicht zumuten.

14 Kommentare zu „Dynamo „Nordlicht“ im Praxistext“

  • Ich stehe inzwischen kurz davor, dieses Testurteil zu revidieren. Der Seitenläufer rutscht einfach viel zu häufig durch – im dauernassen Herbst hat er sich leider nicht als sonderlich zuverlässig erwiesen. Bei langsamen Tempo geht es noch, tritt man schneller, hört man schon das sirrende Durchrutsch-Geräusch!

    Da half auch das ständige Nachjustieren bzw. Auswechseln der Rolle wenig. Auch der Luftdruck des Reifens spielte keine wesentliche Rolle. Doch kein so wunderbares Produkt wie anfangs gedacht. Schade!

  • MichaN. says:

    Das „Nordlicht“ kam etwa Ende der 80ger Jahre auf den Markt und war damals das Nonplusultra der Lichtmaschinen; Nabendynamos steckten noch in den Kinderschuhen, sie liefen schwer und waren unzuverlässig.Der Nordlicht Dynamo lief präziese wie eine Nähmaschine, selbst beim schieben hatte man genug Licht,um im dunkeln den Weg zu sehen!Die Reibrolle aus Gummi funktioniert wie ein Reifen am Reifen.Damals hatte ich noch ein Rad mit Blechfelgen, selbst auf dem schmalen Rand der Felgen lief das Ding einwandfrei. Beim durchrutschen bei Nässe/Schnee wurde einfach beherzt nachgebogen, denn selbst bei einem hohen Anpressdruck lief das Maschinchen ruhig und sauber.Die extra Masseleitung haben wir damals einfach mit einem kurzen Stück Kabel vom Kontakt auf was blankes gemacht;Z.B. einfach unter die Halterung an der Gabel;winziges Stück vom Lack runter, und das lief immer prima.Heute fahr ich eine Gazelle,da funktioniert der Dynamo auch ohne zusätzliche Masseleitung.
    Zum Thema Preis:dieser Dynamo kostete damals um die 40,-DM,war somit der teuerste, den es gab.Die große Nachfrage veranlasste die schweizer Hersteller dazu, den Preis auf etwa 70,-DM zu erhöhen, da sie nicht mit der Produktion nachkamen!Das war eben noch Manufakturware…!

  • müller gottfried says:

    hallo leute, mit meinem enkel habe ich ein wasserrad mit verschiedenen funktionen gebaut.
    neben einem schmied einem holzsäger u.einem holzspalter haben wir auch eine beleuchtung installirt.
    der NORDLICHT dynamo hat mittlerweile ca. 126`144`000 umdrehungen geleistet. der einbau ist horizontal und ab u. zu wird er auch mit wasser bedacht.
    trotz dieser widrigen umstände funktioniert der dynamo störungdfrei!!!

  • ranX says:

    Mein Erfahrung zu diesem Dynamo:

    Den kauft man nur einmal ! (und das ist nicht negativ gemeint !)
    Meiner werkelt seit über 10 Jahren problemlos, unauffällig und zuverlässig.

    Das oben geschilderte Problem des Durchrutschens hatte ich nur im ersten Winter.
    Die Werkstatt meines Vertrauens hat mir dann als Zubehör ein Gummireibrad mit umlaufender Ringnut verkauft.
    In dieser Nut sitzt ein gezahnter Stahlring, der dem Dynamo bei jedem Wetter Traktion verleiht.
    Auch im dicksten Schneematsch rutscht da nix mehr !

    Der Dynamo hat seinerzeit im Angebot 30 D-Mark gekostet; besagte Rolle noch mal 2 DM.
    Dafür hat er mich zeitlebens mit der oben geschilderten Laufruhe verwöhnt.
    Wenn ich bedenke, wie oft ich mich vorher über jaulende Billig-Dynamos geärgert habe, hätte ich das Geld schon viel früher ausgeben sollen ….

    In meinen Augen daher mit o.g. Modifikation sehr wohl eine Alternative für den Nabendynamo

    Gruß

    ranX

  • Even says:

    Habe dieseb Dynamo heute verbaut Nordlicht HD Max und konnte den für meinen alten ersetzen.

    Und das mit einem Kabel nur an + da ich eine einadrige Anlage habe.

    Das man „-“ seperat legen muss haben Sie wohl geändert, kann das so nicht bestätigen.

    Was mich begeistert ist der gute anpressdruck am Reifen des Dynamos nicht wie die billigen Dynamos.

    Gut habe meinen bei Krbelix gekauft Sonderangebot 12 Euro anstatt 20.

    Top Dynamo

    gruß Even

  • thomas says:

    @ranX und alle Nordlichtfans
    benutze den Dynamo seit ca. 1 Monat. Die Arretierung ist gewoehnungsbeduerftig; man braucht dazu beide Haende.
    Bei Regen soweit ok, trotz durchrutschens liefert er noch genug Licht. Aber Schnee…oweh; deswegen: wo ist die Werkstatt bzw. wo kann man die Laufrolle herbekommen?

    danke und unfallfreies radln in 2012
    thomas

  • thomas says:

    seit meinem beitrag vom 27.12.11 hat sich punkto praxiserfahrung etwas getan.
    wegen des durchrutschenden laufrades habe ich mit Basil dem vertreiber des nordlicht kontakt aufgenommen. die waren sehr hilfsbereit und haben mir ein alternatives hartgummi laufrad mit grösserem durchmesser geschickt. im winter konnte ich es nicht mehr testen, aber bei dauerplatzregen lief der dynamo auf einer strecke von ca. 10 km problemlos.
    nun muss ich nur noch herausfinden, wo dieses laufrad im handel erhältlich ist. Basil hat naemlich keinem online shop.
    beste grüsse thomas

  • Marc says:

    hallo thomas,
    ich habe zufällig hier was gefunden:
    http://www.fahrradzubehoer-aachen.de/epages/62363807.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/62363807/Products/MCI1684

    ich glaube allerdings nicht, das das der rolle von ranX entspricht.

    vG

    Marc

  • thomas says:

    hi Marc,
    danke für den Tipp, werde ich mal testen. Der Winter naht.
    Sorry, dass ich erst jetzt antworte, hatte den thread total vergessen.

    Beste Grüsse
    thomas

  • hannelore says:

    ich glaube, das mit dem durchrutschen liegt auch an den reifen, heute sind alle aus einem gummi gegossen weil eahrscheinlich billig in der herstellung. ich hatte einen alten reifen mit stoffgeflecht a/m rand, da rutschte nox, jetzt hab ich schwalbe marathon, nur gummi, ist echt muell, rutscht bei minimaler naesse, und das profil reisst ein, risse im reifen nach 2 monaten. gibts irgendwo noch alte reifen mit qualitaet??

  • Ludwig aus Karlsruhe says:

    Hallo Ihr Experten,

    ich habe einen älteren Nordlicht-Dynamo. Er arbeitet superbrav, ohne Fahrradmechaniker, nur mit meinen eher mäßigen Fähigkeiten als FELGENDYNAMO. Jetzt hat die Felge(Alu)einen argen Schlag, aber das Maschinchen rutscht nur im dicksten Schnee durch, solange ich gerade durch den Schnee fahre.
    Weil der Dynamo an der Felge reibt, habe ich auch keine Einflüsse vom Reifen.
    Vor einigen Jahren habe ich mal das Rad eines Modelllastwagens als Ersatz für ein kaputtes Gummirädle genommen. Jetzt sieht es ganz schön brüchig aus, läuft aber bestens.

  • pascal de wilde says:

    Ja, so ist es!
    Bin selbst Fahrradmekaniker und grosse Nordlicht-fan; durchrutschen ist ein problem im Schnee; aber nicht mehr, wenn man die Dynamo auf die Felge rollen lasst – mit das grosse modell Gummilaufrolle absolut einfach zu machen.

    Einzige „grosse“ Minus-Punkt dieser dynamo: die Steckkontakte aus Stahl; die rosten und mussen ab und zu entrostet werden – für diesen preis könnte das auch Niro sein 😉

  • Hallo Pascal,

    die Steckschuhe sind leider immer ein Problem. Ich nutze schon immer Kontaktmittel oder besser noch: Polfett, damit ich in der dunklen Jahreszeit keine Überraschung erlebe.

  • Chris says:

    Eine große Rolle ist durch die besseren Hebelverhältnisse generell im Vorteil gegen das Durchrutschen. Durch die dann kleinere Drehzahl kommt das Licht natürlich erst bei höherer Geschwindigkeit und ist insgesamt immer etwas dunkler. Ich fahre eine große Gummirolle und bin (zumindest mit LED Licht) recht zufrieden damit. Läuft auch noch etwas leichter als mit kleinerer Rolle. Es soll auch Gummi-O-Ringe mit passender Größe geben.

    @Alle Fahrradhändler: Legt Euch passende O-Ringe zu, die Kunden werden es danken :-)))

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